Georgien ist in den vergangenen zehn Jahren von einem postsowjetischen Geheimtipp zu einer festen Größe im Kanon der steuerlich interessanten Auswanderungsziele geworden. Die Kombination aus einfachem Zugang (keine Visumspflicht für 360 Tage für EU-Bürger), niedrigen Lebenshaltungskosten, einer aktiven Startup-Szene in Tbilisi und einem Steuerregime, das für Solo-Unternehmer mit dem Small Business Status spektakulär günstig ausfällt, hat das Land auf die Landkarte gesetzt. Auswandern nach Georgien ist dennoch kein Selbstläufer. Wer sich für den Schritt interessiert, sollte die Schattenseiten ebenso kennen wie die Vorzüge.
Warum Georgien ins Blickfeld geraten ist
Das Auswandern nach Georgien funktioniert vor allem wegen drei Eigenarten des Landes. Erstens: die einfache Einreise. Deutsche und andere EU-Bürger dürfen sich visumsfrei für 360 Tage im Kalenderjahr in Georgien aufhalten – eine Regelung, die in dieser Großzügigkeit weltweit selten ist. Zweitens: der Small Business Status. Solo-Unternehmer mit Jahresumsätzen bis 500.000 GEL (rund 175.000 Euro) zahlen unter diesem Regime nur ein Prozent Einkommensteuer auf den Umsatz, ohne weitere Abgaben. Drittens: die territorial geprägte Besteuerung, die ausländische Einkünfte weitgehend unangetastet lässt, solange bestimmte Voraussetzungen erfüllt sind.
Hinzu kommen Faktoren, die das Land als Lebensort attraktiv machen: sehr niedrige Lebenshaltungskosten, eine junge, offene Bevölkerung, eine lebendige Restaurant- und Cafészene in Tbilisi, atemberaubende Landschaften vom Schwarzmeerstrand bis ins Kaukasus-Gebirge. Für eine bestimmte Sorte Auswanderer – jünger, ortsunabhängig arbeitend, abenteuerbereit – ist Georgien ein Volltreffer.
Der Small Business Status im Detail
Der Kern des georgischen Angebots für Auswanderer ist der sogenannte Small Business Status für Einzelunternehmer. Wer sich als Individual Entrepreneur registriert und weniger als 500.000 GEL Jahresumsatz erzielt, kann den Status beantragen und zahlt anschließend nur noch ein Prozent Steuer auf seinen Bruttoumsatz. Keine Sozialversicherung, keine Krankenversicherung, keine weiteren Abzüge. Die Buchführung ist entsprechend simpel: Ausgangsrechnungen dokumentieren, monatliche Steuererklärung online einreichen, Steuer zahlen – das ist im Wesentlichen alles.
Ausgenommen sind bestimmte Branchen: Steuerberatung, Rechtsdienstleistungen, Medizin, Architektur und einige andere regulierte Tätigkeiten sind nicht als Small Business qualifiziert. Auch passive Einkünfte wie Zinsen oder Kapitalerträge fallen nicht unter die 1-Prozent-Pauschale.
Die Micro Business Alternative
Für noch kleinere Umsätze – bis 30.000 GEL pro Jahr, rund 10.500 Euro – existiert das Micro Business Regime, bei dem null Prozent Steuer fällig werden. Das ist vor allem für Nebenerwerbler und Personen in der Startphase interessant.
Die Grenze zum normalen Gewerbe
Wird die Grenze von 500.000 GEL überschritten, fällt man automatisch in die reguläre Besteuerung: 20 Prozent Einkommensteuer für Individual Entrepreneurs oder Gründung einer Gesellschaft. Die georgische LLC unterliegt der speziellen Gewinnbesteuerung: Gewinne werden erst bei Ausschüttung an Gesellschafter besteuert, dann mit 15 Prozent Körperschaftsteuer und 5 Prozent Dividendensteuer – insgesamt etwa 19 Prozent effektive Belastung. Einbehaltene Gewinne, die im Unternehmen reinvestiert werden, bleiben steuerfrei.
| Regime | Umsatzgrenze | Satz | Sozialabgaben |
|---|---|---|---|
| Micro Business | bis 30.000 GEL | 0 % | keine |
| Small Business | bis 500.000 GEL | 1 % auf Umsatz | keine |
| Individual Entrepreneur regulär | unbegrenzt | 20 % auf Einkommen | keine zwingenden |
| LLC mit Ausschüttung | unbegrenzt | ca. 19 % effektiv | keine zwingenden |
Steuerliche Ansässigkeit: Die 183-Tage-Regel
Beim Auswandern nach Georgien ist zu beachten, dass die steuerliche Ansässigkeit nicht automatisch mit der Aufenthaltserlaubnis entsteht. Entscheidend ist die physische Anwesenheit von 183 Tagen innerhalb eines laufenden Zwölfmonatszeitraums. Wer weniger Zeit im Land verbringt, gilt als Non-Resident und kann den Small Business Status nur eingeschränkt nutzen – vor allem wird er auch nicht durch das georgische DBA-Netz geschützt.
Für deutsche Auswanderer wird das ein Doppelthema. Einerseits müssen sie in Deutschland ihre Ansässigkeit aufgeben, andererseits in Georgien ausreichend präsent sein, damit der steuerliche Umzug belastbar ist. Die 183-Tage-Grenze lässt sich durch Grenzübertritte dokumentieren; Georgien stempelt Pässe noch händisch, was im Grunde hilfreich ist.
Wer sich das Auswandern nach Georgien überlegen sollte
Die georgische Lösung passt zu einer engen, aber klar erkennbaren Gruppe.
Der Solo-Freelancer mit internationalem Kundenkreis
Ein Webdesigner, ein Developer, ein Copywriter, eine Beraterin – alles Berufe, die sich über den Small Business Status abwickeln lassen, mit Jahresumsätzen unter 500.000 GEL. Für diese Gruppe ist Georgien ein spektakuläres Angebot: Die Abgabenlast sinkt auf ein Minimum, die Lebenshaltungskosten sind niedrig, die Stadt Tbilisi bietet eine anregende Umgebung.
Der digitale Nomade in der Einstiegsphase
Für Menschen, die erstmals international leben und arbeiten, ist Georgien ein niedrigschwelliger Einstieg. Keine Visumsanforderungen, keine Bankkontohürden, keine hohen Gründungskosten. Man kann buchstäblich einreisen, sich als IE registrieren, ein Konto eröffnen und loslegen – in zwei bis drei Wochen.
Der vermögende Investor mit Zweitstandort
Georgien hat einen aktiven Immobilienmarkt mit attraktiven Renditen, insbesondere in Tbilisi und Batumi. Einige Mandanten nutzen Georgien als Zweitstandort für Kapitalanlage bei geringen Steuerbelastungen.
Georgien ist nicht für jeden
Wer auf durchgängig erstklassige Infrastruktur, auf hohe medizinische Standards bei komplexen Eingriffen und auf juristische Absolutverlässlichkeit angewiesen ist, findet in Georgien noch nicht die Qualität einer EU-Mitgliedschaft. Das Land ist in vielen Bereichen auf Augenhöhe mit westeuropäischen Staaten angekommen, in anderen (Krankenhäuser außerhalb der Hauptstadt, manche Verwaltungsvorgänge) noch nicht.
Registrierung als Individual Entrepreneur – der Prozess
Die Registrierung als IE in Georgien gehört zu den unkompliziertesten Verfahren weltweit. Benötigt werden: Reisepass, eine lokale Adresse (Mietvertrag genügt), eine PIN-Nummer der öffentlichen Services, die vor Ort ausgestellt wird. Die Registrierung selbst erfolgt im Tbilisi Public Service Hall, dauert inklusive Wartezeit meist zwei bis vier Stunden. Kosten: rund 20 Lari (etwa 7 Euro).
Der Antrag auf Small Business Status wird separat beim Finanzamt gestellt und dauert in der Regel zwei bis vier Werktage. Parallel sollte die Eröffnung eines Bankkontos erfolgen – die Bank of Georgia und die TBC Bank sind die beiden großen Anbieter mit englischsprachigem Service. Kontoeröffnung für Ausländer ist möglich, dauert aber teilweise mehrere Tage oder Wochen, abhängig von der Compliance-Einstufung.
Tbilisi und Batumi – zwei Charaktere
Die große Mehrheit der deutschsprachigen Auswanderer nach Georgien wählt eine der beiden Städte: Tbilisi oder Batumi.
Tbilisi
Die Hauptstadt, mit knapp 1,2 Millionen Einwohnern, ist das kulturelle, wirtschaftliche und politische Zentrum. Die Altstadt (Old Tbilisi) ist eine der schönsten des Kaukasus, die jüngeren Stadtteile (Vera, Vake, Saburtalo) bieten moderne Wohnungen in Coworking-Nähe. Monatsmieten für eine möblierte Zweizimmerwohnung in guter Lage liegen zwischen 450 und 900 Euro. Restaurantbesuche, Kaffee, Taxifahrten – alles spürbar günstiger als in Deutschland. Das Internet ist durchgängig schnell (Glasfaser ist Standard).
Batumi
Die Schwarzmeerküstenstadt, mit etwa 170.000 Einwohnern, ist das Urlaubszentrum des Landes – entsprechend stark saisonal geprägt. Im Sommer rege Touristenströme, im Winter ruhiger. Batumi ist jünger im Stadtbild, betont durch zahlreiche Hochhausbauten. Für Auswanderer, die Meer und mildere Winter suchen, ist Batumi eine Option, allerdings mit deutlich weniger Infrastruktur als Tbilisi.
Lebenshaltung und Alltag
Eine Person lebt in Tbilisi komfortabel mit einem Monatsbudget von rund 1.000 bis 1.500 Euro inklusive Miete. Eine vierköpfige Familie mit 2.500 bis 3.500 Euro. Die Unterschiede zu Deutschland sind bei Lebensmitteln beträchtlich, bei importierten Markenartikeln geringer. Lokaler Wein ist legendär günstig (gute Flasche ab 3 Euro im Supermarkt), öffentlicher Verkehr und Taxis ebenso. Stromkosten sind moderat, Internet beispielhaft günstig (Glasfaser um die 15 Euro monatlich).
Die Gesundheitsversorgung in Tbilisi ist für westliche Standards in den privaten Kliniken akzeptabel, für schwere Eingriffe fliegen viele Expats aber weiterhin in die Türkei oder nach Europa. Private Krankenversicherungen sind erschwinglich (ab etwa 40 Euro pro Monat für Basisdeckung), aber im Leistungsumfang limitiert.
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Passt dieses Land zu mir? Kostenfrei klärenKulturelle Einordnung – Stärken und Grenzen
Georgien ist ein Land mit starker Eigenkultur, geprägt von orthodoxem Christentum, kaukasischer Gastfreundschaft und einer geopolitischen Lage zwischen Russland, der Türkei und dem Iran. Die junge Generation spricht gut Englisch, die ältere eher Russisch. Deutsche Sprachkenntnisse sind selten. Wer sich anpassungsbereit zeigt, wird außerordentlich herzlich empfangen – der legendäre Supra, das georgische Festmahl mit Tamada (Tischvorsitzendem), ist mehr als Folklore und ein Schlüssel zur lokalen Kultur.
Grenzen zeigen sich in der politischen Lage. Die Nähe zu Russland, die noch ungelösten Konflikte um die Regionen Abchasien und Südossetien, die wiederkehrenden innenpolitischen Spannungen – all das muss man als Auswanderer mitdenken. Wer nicht ausschließlich von Georgien abhängig sein will, behält eine Exit-Option offen.
Der Probeaufenthalt vor der Entscheidung
Beim Auswandern nach Georgien empfiehlt sich ein mehrmonatiger Probeaufenthalt. Die 360-Tage-Visumsfreiheit macht das einfach möglich. Drei Monate in Tbilisi im Winter, drei in Batumi im Sommer – das schafft ein realistisches Bild und spart spätere Enttäuschungen. Auch die Frage, ob das Internet den eigenen beruflichen Anforderungen standhält, lässt sich nur vor Ort beantworten.
Die deutsche Perspektive: Wegzug und DBA
Zwischen Deutschland und Georgien besteht seit 2008 ein Doppelbesteuerungsabkommen, das die Besteuerungsrechte für die wichtigsten Einkunftsarten regelt. Für natürliche Personen sind die Mittelpunktsregeln des DBA entscheidend: Wer tatsächlich in Georgien ansässig ist (Mittelpunkt der Lebensinteressen dort), wird nach georgischen Regeln besteuert. Deutschland prüft diese Frage regelmäßig bei ehemaligen Inländern – Nachweise über Wohnung, Familie, wirtschaftliche Bindungen, medizinische Versorgung sind wichtig.
Beim Wegzug mit Kapitalgesellschaftsanteilen greift auch in Georgiens Richtung § 6 AStG. Anders als bei EU-Umzügen gibt es keine Stundungsregelung, wobei Georgien aufgrund des DBA-Netzes hier teilweise anders behandelt wird als reine Niedrigsteuerländer. Die konkrete Behandlung sollte vor dem Wegzug mit einem Steuerberater geprüft werden.
Häufige Fehler
Beim Auswandern nach Georgien erleben wir immer wieder dieselben Stolpersteine. Erster Fehler: Unterschätzung der 183-Tage-Anforderung. Wer nur sporadisch im Land ist, profitiert nicht dauerhaft vom Small Business Status und gerät schnell in die Graue Zone zwischen georgischer und deutscher Besteuerung. Zweiter Fehler: Mischung von Tätigkeiten, die nicht unter Small Business fallen (Beratung, die rechtlich als Rechtsberatung gilt, oder medizinische Beratung) mit solchen, die darunter fallen. Dritter Fehler: Bankkonten in Georgien werden teilweise überraschend streng mit Compliance-Anforderungen belegt, sodass Geldflüsse aus komplexen internationalen Strukturen Nachfragen auslösen.
Fazit
Auswandern nach Georgien ist das vielleicht günstigste Setup für Solo-Freelancer mit internationalem Kundenkreis, das derzeit verfügbar ist. Für die passende Zielgruppe ist das Gesamtpaket aus einfacher Einreise, 1-Prozent-Pauschalbesteuerung, niedrigen Lebenshaltungskosten und jungem städtischem Umfeld kaum zu schlagen. Für Unternehmer mit größeren Strukturen, für Familien mit hohem Bildungsanspruch oder für Menschen, die auf westeuropäische Gesundheitsstandards angewiesen sind, ist Georgien heute noch nicht das ideale Ziel. Die richtige Frage lautet daher nicht, ob Georgien gut oder schlecht ist, sondern ob das Land zur eigenen Lebensphase und zum eigenen Beruf passt – wenn ja, wird Auswandern nach Georgien eine der besten Entscheidungen des Lebens.
Der Small-Business-Status – eine globale Besonderheit
Georgiens steuerliche Hauptattraktion für ortsunabhängige Selbständige ist der Small-Business-Status (SBS). Er erlaubt Selbständigen mit einem Jahresumsatz bis 500.000 Lari (rund 170.000 Euro) eine Pauschalbesteuerung von nur 1 Prozent des Umsatzes – nicht des Gewinns. Das ist im internationalen Vergleich einzigartig.
Die Umsetzung ist einfach: Registrierung als Individual Entrepreneur bei der Steuerbehörde (kann online erfolgen), Beantragung des Small-Business-Status, regelmäßige monatliche Umsatzmeldungen. Keine Gewerbesteuer, keine Sozialabgaben, keine komplexe Buchhaltung. Die Kosten für einen lokalen Buchhalter zur Unterstützung liegen bei 50 bis 150 Euro monatlich.
Wichtige Einschränkung: Der Small-Business-Status gilt nicht für jede Tätigkeit. Bestimmte Berufe sind ausgeschlossen (Rechtsanwälte, Wirtschaftsprüfer, Ärzte, Architekten, Finanzdienstleister). Wer sich in einer ausgeschlossenen Kategorie befindet, muss die reguläre 20-Prozent-Einkommensteuer zahlen – immer noch niedrig, aber nicht der berüchtigte 1-Prozent-Satz.
Die 183-Tage-Regel und ihre Tücken
Die georgische Steuerresidenz wird über 183 Tage physische Anwesenheit im Kalenderjahr begründet. Die Regel ist streng – Tage werden exakt gezählt, Ein- und Ausreisen dokumentiert. Wer 182 Tage in Georgien verbringt und 183 in einem anderen Land, ist nicht georgisch steuer-resident.
Das hat Konsequenzen für die Nutzung der 1-Prozent-Flat-Tax. Wer den Status nutzen möchte, muss tatsächlich mehr als die Hälfte des Jahres in Georgien verbringen. Das ist für digitale Nomaden zunächst ungewohnt, aber konsequent durchzuhalten. Wer weniger Zeit in Georgien verbringt, kann als Individual Entrepreneur weiter registriert sein, wird aber vom Heimatland (Deutschland) als primär ansässig behandelt und dort voll besteuert.
Ein weiterer Punkt: Georgien ist keine EU-Mitglied. Das DBA mit Deutschland besteht, regelt aber nicht jeden Sachverhalt nach modernen BEPS-Standards. In manchen Konstellationen kann es zu Anwendungsfragen kommen – insbesondere wenn Deutschland die georgische Besteuerung aufgrund der Niedrigbesteuerung skeptisch betrachtet. Eine saubere Beratung vor dem Umzug ist essentiell.
Tiflis im Alltag – ein ehrlicher Blick
Tiflis (Tbilissi) ist eine Stadt mit knapp 1,2 Millionen Einwohnern, einer lebendigen Kaffee- und Restaurantkultur, einer wachsenden Expat-Community (geschätzte 15.000 bis 25.000 langfristige Ausländer aus über 50 Ländern) und moderaten Lebenshaltungskosten. Eine moderne Zwei-Zimmer-Wohnung in zentraler Lage kostet monatlich 500 bis 900 Euro. Essen in guten Restaurants 15 bis 25 Euro pro Person. Lebensmittel im Supermarkt rund 30 bis 40 Prozent günstiger als in Deutschland.
Das Internet ist in den zentralen Stadtteilen schnell und zuverlässig (Gigabit-Verbindungen für rund 30 Euro monatlich). Coworking-Spaces gibt es mittlerweile in mehreren Dutzend Variationen, mit monatlichen Mitgliedschaften ab 100 Euro. Die junge Expat-Szene trifft sich in Vake, Vera und im Stadtteil Sololaki.
Die Nachteile: Das öffentliche Gesundheitssystem ist rudimentär. Ernsthafte Behandlungen finden in privaten Kliniken statt, die sich seit 2015 deutlich entwickelt haben, aber nicht westeuropäischem Standard entsprechen. Bei komplexen medizinischen Fällen fliegen Expats nach Istanbul, Dubai oder Wien. Eine internationale Krankenversicherung mit Evakuierungsoption ist für ältere Auswanderer praktisch unverzichtbar.
Die Infrastruktur hat Fortschritte gemacht, ist aber nicht westeuropäisch. Stromausfälle sind selten, Wasserausfälle gelegentlich. Die Straßen in Tiflis sind teils in gutem Zustand, teils nicht. Wer aus einer deutschen Großstadt kommt, erlebt eine gewisse Improvisation – was für die einen Charme, für die anderen Belastung ist.
Banking, Banking, Banking
Eine der am häufigsten diskutierten Fragen bei Georgien-Auswanderungen: das Banking. Die Kontoeröffnung bei einer georgischen Bank (TBC Bank, Bank of Georgia sind die zwei großen Institute) war bis 2020 einfach – oft an einem Tag möglich. Seit der internationalen Compliance-Verschärfung ist der Prozess aufwendiger, aber immer noch machbarer als auf Zypern oder in den VAE.
Typische Anforderungen: Residenzstatus (Individual Entrepreneur Registration genügt für die einfache Kontoeröffnung), Nachweis der Einkommensquelle, georgische SIM-Karte für SMS-Authentifizierung, persönliche Präsenz in der Filiale. Die Bearbeitungszeit liegt bei ein bis drei Wochen. Mehrwährungs-Konten (GEL, USD, EUR, GBP) sind Standard.
Der Zahlungsverkehr nach Europa funktioniert gut über SEPA, SWIFT und spezielle Anbieter wie Wise. Die Verbindung zum europäischen Wirtschaftsraum ist trotz Nicht-EU-Mitgliedschaft praktisch funktional.